Mainz, 3.12.19. „Ich kann gut verstehen, dass Bäuerinnen und Bauern auf die Straße gehen, um auf ihre schwierige Situation aufmerksam zu machen“, sagt Sabine Yacoub, Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Rheinland-Pfalz. „Allerdings gehen die Forderungen in die falsche Richtung.“

Nicht die Auflagen für Umwelt- und Naturschutz seien an der schwierigen Einkommenssituation der Bauern und Bäuerinnen schuld, sondern die seit Jahrzehnten verfehlte Agrarpolitik. Diese sei auf das Wachstum von Betrieben, möglichst billige Produkte und den Export ausgerichtet. EU-weit bekämen 20 Prozent der Betriebe 80 Prozent der Fördermittel. „Die aktuelle Agrarpolitik geht sowohl auf Kosten der Bäuerinnen und Bauern wie auf Kosten von Natur und Umwelt“, meint Yacoub. „Deshalb fordern wir schon lange eine Agrarpolitik, die die kleinen Betriebe stützt und gesellschaftliche Leistungen für Insektenschutz, Klimaschutz, Gewässerschutz, Bodenschutz, Tierschutz und Ähnliches honoriert.“  Seit Mitte der 1990er-Jahre ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland um die Hälfte zurückgegangen. Die verfehlte Agrarpolitik forderte also bereits ihre Opfer lange bevor das Wort „Bienensterben“ auf der Auswahlliste für das Wort des Jahres stand.

In Rheinhessen ist der BUND schon seit mehreren Jahren im Projekt „Blühendes Rheinhessen“ mit Landwirt*innen im Gespräch. Gemeinsam entwickeln BUND-Aktive mit Bauern und Winzerinnen konkrete Maßnahmen, die vor Ort für den Wildbienenschutz umgesetzt werden. Dabei arbeitet der BUND sowohl mit konventionellen wie auch mit Öko-Betrieben erfolgreich zusammen. Bei einer Ausschreibung zur Umsetzung von Modellprojekten gab es etwa 30 Bewerbungen. 10 Modellprojekte können über das aktuelle Projekt „Blühendes Rheinhessen – Wein, Weizen, Wildbienen“ finanziert und umgesetzt werden; jeweils fünf mit konventionellen und fünf mit Öko-Betrieben. Weitere Betriebe werden im Rahmen des Projekts beraten.

Und auch bei Veranstaltungen ist der BUND mit Bäuerinnen und Bauern im Gespräch. So zum Beispiel bei einem Vortragsabend „Landwirtschaft und Naturschutz gemeinsam für die Artenvielfalt“ im Februar 2019, bei dem sich über hundert Naturschützer*innen und Landwirt*innen ausgetauscht haben. Oder bei der Weiterbildung von Wildbienenbotschafter*innen, bei der auch Bauern aus der Praxis berichten. 

„Die Aussage, Naturschützer*innen würden mit Bauern und Bäuerinnen nicht sprechen, ist nachweislich falsch. Dennoch kann und sollte der Dialog gerade vor Ort noch deutlich verstärkt werden“, meint Yacoub. Sie und die Aktiven des BUND sind hierzu gerne bereit.

Das Projekt „Blühendes Rheinhessen – Wein, Weizen, Wildbienen“ wird vom Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz (MUEEF) im Rahmen der Aktion Grün gefördert. Mehr zum Projekt: www.bund-rlp.de/brh

Für Rückfragen:

Sabine Yacoub, 0174-9971892